Baskisch mitten in München – Existenzgründerin mit einem Feinkostladen

„Gure Eztia“ steht auf dem Glas. Der Name ist baskisch und heißt schlicht: „Unser Honig“. Stolz zeigt Brigitte DostiniGruber das Glas. „Diesen Honig gibt es nur bei uns“, sagt sie. „Sie werden ihn wohl kaum anderswo in Deutschland finden.“ Mit uns meint sie den Feinkostladen Donosti in der Blutenburgstraße 98 in München-Neuhausen. Donosti ist die baskische Bezeichnung für die im Norden Spaniens gelegene Hauptstadt des Baskenlandes, San Sebastian. Aus dieser Ecke kommt auch Esteban Ruiz, der Lebensgefährte von Frau Gruber. Er ist Baske mit Leib und Seele und doch schon seit mehr als 15 Jahren in München. Er ist davon überzeugt: „Es gibt einen Markt für baskische Spezialitäten in Deutschland, denn Essen war schon immer wichtig für die Basken.“ Gruber und Ruiz legen Wert darauf, im Donosti nur Wein, Käse, Wurst oder Schokolade aus traditionell-handwerklicher Herstellung, und wenn es geht, aus ökologischem Anbau anzubieten.

Alternative zum Discounter
Für das Donosti haben sie nicht umsonst den Stadtteil Neuhausen ausgesucht. Hier, zwischen Hauptbahnhof und Nymphenburger Schloss, gibt es das Publikum für das Besondere und das Ausgefallene. Metzger und Bäcker, aber auch Bioläden, kleine Handwerksbetriebe und Designerläden sind hier häufiger zu finden als anderswo in der bayerischen Landeshauptstadt. Hier leben viele Familien, aber auch gut verdienende Singles, das durchschnittliche Einkommen ist relativ hoch. Hier könne man die Vision leben, wie es Brigitte Gruber nennt. „Wir sind Idealisten, die glauben, ein Contra gegen die Discounter setzen zu können.“ Doch Vision und Idealismus sind das eine, die nackten Tatsachen einer Existenzgründung das andere.

Standortanalyse und Gründungszuschuss
Der Gründungsberater Joachim Fischer hat für Brigitte Gruber eine Standortanalyse erarbeitet, in der die Daten des Stadtteils und die Wirtschaftsleistung errechnet wurden und in der die Konkurrenten für ein Spezialitätengeschäft analysiert wurden. Fischer kam zum Ergebnis, dass das Donosti in diesem Umfeld wirtschaftlich tragfähig ist. Das wiederum war die Voraussetzung dafür, dass Brigitte Gruber einen Gründungszuschuss und ein Darlehen bei ihrer Hausbank beantragen konnte. „Als Sicherheit“, so sagt sie, „konnte ich glücklicherweise meine Eigentumswohnung bieten. Denn es entstanden zunächst einmal Kosten von mehreren tausend Euro, um den Laden überhaupt einrichten zu können.“ Und es brauchte Glück, um den geeigneten Standort zu finden. Dieser ergab sich, als ein Friseur sein 100 Quadratmeter großes Ladenlokal aufgab. Allerdings mussten Gruber und Ruiz fünf Monate renovieren, bis aus dem Friseurladen ein modernes Geschäft wurde, mit einem Ambiente, in dem es als Kunde Spaß macht, sich auf baskische, aber auch spanische und andere Spezialitäten einzulassen. Auch bei der Gestaltung des Ladens ging Gruber keine Kompromisse ein: Für die Inneneinrichtung konnte sie die Mitarbeit junger Designer des Münchner Teams „Hansandfranz“ gewinnen. Das Ergebnis kann sich mit seiner klaren Linie ohne Schnörkel sehen lassen.

Gründung aus der Arbeitslosigkeit
Brigitte Gruber hatte ursprünglich nicht vor, sich mit einem Laden selbstständig zu machen. Sie war im Rahmen ihrer beruflichen Laufbahn u.a. Marketingleiterin bei einer Software-Firma, bis diese an einen Konkurrenten verkauft wurde und ihr Job verloren ging. Die heute 53jährige entschloss sich darauf hin, sich ganz in das Geschäft ihres Lebensgefährten Esteban Ruiz einzubringen. Der importiert und vertreibt als Groß- und Einzelhändler schon lange hochwertige spanische Produkte. Gruber belegte Existenzgründungskurse der Agentur für Arbeit und der IHK. Sie betreut nun auch schon länger Internetseiten, auf der sie die Produkte ebenfalls vertreibt.

Einzigartige Kundenbeziehungen
DostiniDer Vertrieb spanischer und baskischer Produkte über das Internet  http://www.spaintrade.de ist das eine Standbein für Gruber, der Laden soll sich zum zweiten entwickeln. Über das Internet sind wichtige Beziehungen zu Kunden entstanden. „Dort gilt es, einen guten Ruf zu verteidigen“, sagt Gruber. So gebe es immer wieder Anfragen nach bestimmten Produkten aus Spanien. „Allerdings müssen wir zunächst überlegen, wo wir Produzenten finden, die die nötige Qualität anbieten können“, sagt Gruber. Und deshalb gibt es manche Sachen, die als Geheimtipp ins Sortiment kamen und die es eben nur hier gibt. Im Gegensatz zu Italienern seien die Spanier viel zurückhaltender bei der Vermarktung ihrer Produkte. Auch die Aufmachung spiele häufig noch überhaupt keine Rolle. Auch deshalb gebe es immer wieder etwas zu entdecken. Gruber und Ruiz reisen viel in Spanien umher, um Produzenten ausfindig zu machen. Gerade zu Winzern habe man einen persönlichen und engen Kontakt und wisse, wie die ihre Weine anbauen, ernten und reifen lassen. „Nur so kann man Qualität verkaufen und den Kunden beraten“, sagt Gruber. Brigitte Gruber kann zu jedem Wein oder Brandy eine Geschichte erzählen. Und das Angebot ist reichhaltig.

Degustation und kleine Speisen
Im Donosti hat Gruber genug Platz, um kleinere Speisen anzubieten, eine Weinprobe zu veranstalten oder eine kleine Feier auszurichten. Und das sind nicht die einzigen Pläne der umtriebigen Geschäftsfrau. Kunst und Kunsthandwerk aus dem Baskenland soll man hier in Zukunft ebenfalls entdecken. Und dazu reicht Gruber dann vielleicht einen Serrano Schinken, 16 Monate gereift aus Teruel, oder doch eher eine Chorizo, die Paprikawurst von El Bordón aus Navarra oder doch einen baskischen Schinken, den Basatxerri. Das heißt Waldschweine. Der Name ist Programm: Wie seit Jahrhunderten laufen die Schweine auf Wiesen und im Wald umher, wo sie sich selbst versorgen. Der Schinken von den 16 Kleinbauern, die sich der freien Schweinehaltung widmen (Txerri Zaleok), schmeckt natürlich anders als der aus industrialisierter Massenware und ist nahezu ein ideales Produkt, das Gruber und Ruiz im Donosti verkaufen.

Flyer Donosti Feinkost

Kontaktdaten
DONOSTI
Blutenburgstr. 98
80636 München
Tel.  089-37 41 92-32
Fax   089-37 41 92-33
Email: info@donosti.in
www.donosti.in

Ein Artikel von Wolfram Schrag